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    <ArticleType>Editoral</ArticleType>
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      <Title language="de">Irgendwas mit Sprache</Title>
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          <AcademicTitle>Prof. Dr.</AcademicTitle>
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        <Address>GMS Zeitschrift f&#252;r Audiologie &#8212; Audiological Acoustics, Schriftleitung, Heidelberg, Deutschland<Affiliation>GMS Zeitschrift f&#252;r Audiologie &#8212; Audiological Acoustics, Schriftleitung, Heidelberg, Deutschland</Affiliation></Address>
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    <DatePublished>20230626</DatePublished></DatePublishedList>
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      <AltText language="en">This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 License.</AltText>
      <AltText language="de">Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung).</AltText>
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        <ISSN>2628-9083</ISSN>
        <Volume>5</Volume>
        <JournalTitle>GMS Zeitschrift f&#252;r Audiologie - Audiological Acoustics</JournalTitle>
        <JournalTitleAbbr>GMS Z Audiol (Audiol Acoust)</JournalTitleAbbr>
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    <ArticleNo>07</ArticleNo>
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    <TextBlock linked="yes" name="Editorial">
      <MainHeadline>Editorial</MainHeadline><Pgraph>Die Nutzung der Lautsprache erfolgt bekanntlich auf vielen Ebenen. Am unteren Ende der Skala gelingt es dem H&#246;rer zu erkennen, dass es sich bei dem akustischen Ereignis um Lautsprache handelt; Identifizierung und Differenzierung von Sprachlauten erfordern schon ein etwas h&#246;heres Niveau und wiederum anspruchsvoller ist die Entschl&#252;sselung der Bedeutung (Semantik). Die Beherrschung von Deklination und syntaktischen Regeln ist kaum &#8211; aber nicht etwa gar nicht &#8211; Gegenstand der praktischen Sprachaudiometrie (z.B. &#8222;Den treuen Hund tadelt die nasse Ente&#8220; in den <Mark2>Oldenburg linguistically and audiologically controlled sentences</Mark2> &#91;OLACS&#93;).</Pgraph><Pgraph>Als Folge dieser Vielschichtigkeit ist es gar nicht einfach und wahrscheinlich auch nicht m&#246;glich, f&#252;r die in den verschiedenen sprachaudiometrischen Tests interessierenden Zielgr&#246;&#223;en eine einheitliche und exakt passende Bezeichnung zu finden. Seit der Einf&#252;hrung des &#8222;Freiburger Sprachverst&#228;ndlichkeitstests&#8220; durch Karl-Heinz Hahlbrock im Jahr 1953 ist die relative Anzahl der vom Probanden korrekt nachgesprochenen Testw&#246;rter die wichtigste das Ergebnis des Tests beschreibende Messgr&#246;&#223;e <TextLink reference="1"></TextLink>. Nun haben liebe Kinder bekanntlich viele Namen, unter denen &#8222;Sprachverst&#228;ndlichkeit&#8220; der bis heute gebr&#228;uchlichste ist. Die am h&#228;ufigsten anzutreffenden Mitbewerber sind Sprachverst&#228;ndnis, Sprachverstehen, Verstehensquote, Perzeption, Diskrimination und Unterscheidung.</Pgraph><Pgraph>Die Vielzahl der in Gebrauch befindlichen Bezeichnungen spiegelt die der Messgr&#246;&#223;e &#8222;Sprachverst&#228;ndlichkeit&#8220; innewohnende Problematik wider. Keiner der aufgez&#228;hlten Begriffe trifft exakt das, was in einem audiometrischen Sprachtest erfasst wird, und f&#252;r praktisch jede mit diesen Begriffen verkn&#252;pfte kognitive Leistung existieren spezielle eigene Ans&#228;tze (z.B. die Auswertung von Phonemverwechslungen f&#252;r die Pr&#252;fung der F&#228;higkeit zur Unterscheidung von Sprachlauten). Der Begriff der Verst&#228;ndlichkeit charakterisiert in der Umgangssprache eher die G&#252;te etwa einer Lautsprecherdurchsage als ihre Perzeption; &#8222;Verst&#228;ndnis&#8220; ist gefordert f&#252;r Zugversp&#228;tungen oder jugendlichen &#220;bermut, und &#8222;Verstehen&#8220; bedeutet f&#252;r gew&#246;hnlich, dass an hei&#223;es mit Rum angereichertes Wasser denkt, wer dem Pr&#252;freiz &#8222;Grog&#8220; ausgesetzt ist &#8211; was aber f&#252;r das korrekte Nachsprechen des Testwortes keineswegs erforderlich ist.</Pgraph><Pgraph>In den Sprachwissenschaften bezieht sich die Sprachverst&#228;ndlichkeit auf die phonetisch-phonologische Struktur eines Wortes oder eines Satzes, wohingegen Sprachverst&#228;ndnis und Sprachverstehen mit der Erfassung von Sinn und Bedeutung von W&#246;rtern und S&#228;tzen zu tun haben.</Pgraph><Pgraph>Gl&#252;cklicherweise ist die Sprachaudiometrie weniger komplex als die Linguistik. Die prim&#228;re Messgr&#246;&#223;e ist eindeutig definiert als der Anteil der nach Einsch&#228;tzung des Untersuchers korrekt nachgesprochenen Testw&#246;rter. Es ist nicht sch&#246;n, aber &#252;blich, diese Gr&#246;&#223;e als Verst&#228;ndlichkeit oder Verst&#228;ndnisquote zu bezeichnen; &#8222;Verstehensquote&#8220; trifft jedoch eher das, was hier gemeint ist. F&#252;r die Beschriftung der Ergebnisachse des Sprachaudiogramms &#8211; kurioserweise seit jeher eine horizontal verlaufende Abszisse an Stelle einer vertikalen Ordinate &#8211; existieren viele Optionen, unter denen ausschlie&#223;lich &#8222;Prozent korrekt&#8220; das wiedergibt, was im Diagramm dargestellt ist. Die Bezeichnung &#8222;Diskrimination&#8220; ist beliebt, aber falsch &#8211; weil zumindest im Freiburger Test die Aufgabe nicht darin besteht, konkurrierende Testelemente oder Sprachlaute voneinander zu unterscheiden.</Pgraph><Pgraph>Indessen lohnt sich die Verfolgung des Gedankens, was wir eigentlich unter &#8222;Verstehen&#8220; verstehen. Die Einbeziehung des Verstandes impliziert, dass dem geh&#246;rten Testelement eine Bedeutung zugeordnet wird. Dieser Mechanismus ist aber bei der Verwendung sinnfreier Testw&#246;rter sicherlich nicht beteiligt. Die Antwort des Pr&#252;flings &#8222;ich habe Bongo verstanden&#8220; hat mit der Entschl&#252;sselung des Wortes nichts zu tun. Die Antwort auf den Pr&#252;freiz &#8222;gusa wumve gariyamoshi&#8220; k&#246;nnte lauten &#8222;verstehe nur Bahnhof&#8220; &#8211; was ebenfalls mit &#8222;Verstehen&#8220; im soeben definierten Sinn nichts zu tun hat (und &#252;brigens dann und nur dann korrekt ist, wenn der Proband Kinyarwanda beherrscht). Was gibt es bei &#8222;Ring Spott Farm&#8220; zu verstehen&#63; Au&#223;er Anh&#228;ngern der zeitgen&#246;ssischen Lyrik wird es niemandem verg&#246;nnt sein, hierin eine sinnstiftende Wortfolge zu erkennen.</Pgraph><Pgraph>Wesentlich pr&#228;ziser als in Linguistik und Sprachaudiometrie sind die Begriffsdefinitionen in der Welt der Industrienormen. Laut DIN EN ISO 8253-3 <TextLink reference="2"></TextLink> ist das Sprachverstehen die prozentuale Angabe der richtig erkannten Test-Elemente. Hier ist der Begriff &#8222;Sprachverstehen&#8220; vom &#8222;Verstehen&#8220; im oben definierten Sinn losgel&#246;st, und er ist nach Einsch&#228;tzung des Autors dieser Zeilen treffender als &#8222;Sprachverst&#228;ndlichkeit&#8220; oder gar &#8222;Sprachverst&#228;ndnis&#8220;. In der praktischen Audiometrie haben wir jedoch nicht die Freiheit, Normen je nach pers&#246;nlichem Geschmack zu befolgen oder zu missachten. Es ist somit unabwendbar, die g&#228;ngige Beschriftung der Sprachaudiogramme zumindest zu &#252;berdenken und die Nomenklatur in unseren Fachpublikationen zu vereinheitlichen.<LineBreak></LineBreak><LineBreak></LineBreak></Pgraph><Pgraph>Sebastian Hoth</Pgraph></TextBlock>
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      <MainHeadline>Anmerkung</MainHeadline><SubHeadline>Interessenkonflikt</SubHeadline><Pgraph>Der  Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.</Pgraph></TextBlock>
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        <RefAuthor>Hahlbrock KH</RefAuthor>
        <RefTitle>&#220;ber Sprachaudiometrie und neue W&#246;rterteste</RefTitle>
        <RefYear>1953</RefYear>
        <RefJournal>Archiv f&#252;r Ohren-, Nasen- und Kehlkopfheilkunde</RefJournal>
        <RefPage>394-431</RefPage>
        <RefTotal>Hahlbrock KH. &#220;ber Sprachaudiometrie und neue W&#246;rterteste. Archiv f&#252;r Ohren-, Nasen- und Kehlkopfheilkunde. 1953;162(5):394-431. DOI: 10.1007&#47;BF02105664</RefTotal>
        <RefLink>https:&#47;&#47;doi.org&#47;10.1007&#47;BF02105664</RefLink>
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        <RefAuthor>Anonym</RefAuthor>
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        <RefYear>2022</RefYear>
        <RefBookTitle>DIN EN ISO 8253-3:2022. Akustik &#8211; Audiometrische Pr&#252;fverfahren &#8211; Teil 3: Sprachaudiometrie</RefBookTitle>
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        <RefTotal>DIN EN ISO 8253-3:2022. Akustik &#8211; Audiometrische Pr&#252;fverfahren &#8211; Teil 3: Sprachaudiometrie. Berlin: Beuth Verlag; 2022. DOI: 10.31030&#47;3296501</RefTotal>
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