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GMS Journal for Medical Education

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 2366-5017


Dies ist die deutsche Version des Artikels. Die englische Version finden Sie hier.
Nachruf
Nachruf

[Abschied von Prof. Winfried Kahlke, geb. 30.12.1932, gest. 01.05.2025]

 Birgit Wulff 1

1 Ärztekammer Hamburg, Hamburg, Deutschland




Prof. Winfried Kahlke (30.12.1932-01.05.2025)

Am 1. Mai verstarb Prof. em. Dr. Winfried Kahlke, ehemals Lehrstuhlinhaber der Hochschuldidaktik am UKE, nach längerer Krankheit im Alter von 92 Jahren. Geboren am 30.12.1932 in Brokstedt in Schleswig-Holstein studierte Winfried Kahlke Medizin in Kiel und Heidelberg. Er erhielt 1961 die Approbation, war dann wissenschaftlicher Assistent am Physiologisch-Chemischen Institut der Universität Köln. Seine Habilitation erfolgte 1971 an der Universität Heidelberg, nachdem er die Phytansäure als Substrat der Refsum-Krankheit identifiziert hatte, einer Speicherkrankheit mit schweren neurologischen Ausfällen. 1972 wurde er Facharzt für Innere Medizin und folgte 1974 dem Ruf nach Hamburg auf den neu gegründeten Lehrstuhl für Hochschuldidaktik der Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Seine damals neuen Vorstellungen von der Reform des Medizinstudiums sind heute längst universitärer Alltag: die Orientierungseinheit und Berufsfelderkundung am Studienbeginn, der Einsatz studentischer Tutoren, das „Problemorientierte Lernen“ und „Poliklinischer Unterricht“ an den Lehrkrankenhäusern in der Stadt. Neue Wege einzuschlagen und in der Lehre durchzusetzen, geht und ging auch damals nicht ohne Konflikte. Winfried Kahlke zeichnete sich durch große Verbindlichkeit aus, konnte aber auch streiten, wenn es um seine Überzeugungen und die Demokratisierung in der Medizin ging. Er beschäftigte sich mit ethischen Fragestellungen im Studium und im ärztlichen Beruf und hat diese Haltung auch den Studierenden vermittelt, die dadurch wichtige Impulse für ihre Entwicklung eines ärztlichen Berufsverständnisses bekamen.

Folgerichtig gründete Winfried Kahlke das dann über Jahrzehnte fortbestehende interdisziplinäre Ethikseminar, das während des Semesters jeweils monatlich stattfand und an dem – das war neu – andere Akteur*innen und Kolleg*innen aus der Stadt und interessierte Hamburger*innen teilnehmen konnten. Für ein solches Format, in dem die Diskussion ethischer Fragen in der Medizin auf universitärem Niveau aus vielfachen Blickrichtungen thematisiert wurde, existierte, wie man feststellen konnte, ein großer Bedarf, und es wirkte aus dem UKE hinein in die Stadt.

Neben seiner Tätigkeit am UKE galt sein Engagement immer auch der ärztlichen Berufspolitik. Von 1986 bis 1994 und 1998 bis 2002 war er Vorstandsmitglied der Kammer. Hier hat er sich insbesondere für die ärztliche Fortbildung engagiert, war Vorsitzender des Fortbildungsausschusses 1994 bis 2002 und wurde dafür mit der Ernst-von-Bergmann-Plakette der deutschen Ärzteschaft ausgezeichnet. 2016 war er Ehrenpräsident des Deutschen Ärztetags in Hamburg und erhielt nun Ende April das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Winfried Kahlke hat sich stets – auch bei Gegenwind – als konsequenter Vertreter demokratischer Prinzipien für Minderheiten und Menschenrechte eingesetzt, ethische Fragestellungen als kritischer Denker begleitet und dabei auch selbst im Rückblick bilanziert: „Ich habe immer Kurs gehalten“.

Unsere herzliche Anteilnahme gilt seiner Ehefrau Heidi und den vier Kindern mit ihren Familien.

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass sie keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel hat.