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GMS Journal for Medical Education

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 2366-5017


Dies ist die deutsche Version des Artikels. Die englische Version finden Sie hier.
Gute Ideen für die Lehre
Interprofessionelle Ausbildung

[Interprofessioneller Tag – eine Lehrveranstaltung für Humanmedizin und Gesundheitsfachberufe an der Universität zu Lübeck]

Annemarie Minow 1
 Janina Barth 1
Jürgen Westermann 2

1 Universität zu Lübeck, Referat Studium und Lehre Humanmedizin, Lübeck, Deutschland
2 Universität zu Lübeck, Institut für Anatomie, Lübeck, Deutschland

Zusammenfassung

Was ist der Kontext bzw. Hintergrund des Projekts? Der Interprofessionelle Tag wurde initiiert, um die wachsende Bedeutung interprofessioneller Zusammenarbeit im Gesundheitswesen zu adressieren. Alle Studierenden des 2. Fachsemesters der Humanmedizin, Pflege, Physiotherapie, Hebammenwissenschaft, Ergotherapie/Logopädie, Gesundheits- und Versorgungswissenschaften und Angewandte Pflegewissenschaft der Universität zu Lübeck (UzL) nehmen teil. Die ganztägige Veranstaltung ist ein fester Bestandteil des Lehrplans der aufgeführten Studiengänge.

Warum wurde das Projekt begonnen? Seit 2014 sind an der UzL mehrere gesundheitsbezogene Studiengänge entstanden, die neue Möglichkeiten für interprofessionelles Lehren und Lernen eröffnen. Der Interprofessionelle Tag bietet den Studierenden die Gelegenheit, das Zugehörigkeitsgefühl zur Sektion Medizin zu stärken, soziale Barrieren abzubauen und die Rolle in der interprofessionellen Zusammenarbeit bewusster wahrzunehmen.

Wie wird das Projekt durchgeführt? Die Veranstaltung umfasste 2024 neben einer zentralen Auftakt- und Abschlussveranstaltung, eine Gruppenphase, in der die Studierenden zwei Workshops besuchten.

Wie wird das Projekt evaluiert? Die Evaluation erfolgte online im Jahr 2024 anhand eines selbstentwickelten Fragebogens, den 160 von 260 Studierenden beantworteten. Die Evaluation des Interprofessionellen Tags fiel insgesamt positiv aus. Die Gesundheitswissen Insights-Workshops wurden am besten bewertet. Bei der Frage, welche Aspekte der Veranstaltung gelungen waren, wurden u. a. die gemischten Gruppen und die Workshops genannt. Auf die Frage, was geändert werden soll, wurden u. a. die Länge der Auftaktveranstaltung und der Wochentag der Veranstaltung genannt.

Abschließende Gesamteinschätzung und Ausblick: Das Projekt trägt zum Austausch zwischen Studierenden verschiedener Professionen sowie dem Abbau sozialer Barrieren bei und betont die Bedeutung von Teamarbeit für die Patient:innenversorgung. Das überarbeitete Konzept wird mit einer möglichen Ausweitung auf Auszubildende der Gesundheitsfachberufe und dem Studiengang Psychologie fortgeführt.


Schlüsselwörter

Gesundheitsberufe, Lehrplanentwicklung, interprofessionelle Ausbildung, interprofessionelle Beziehungen, Lehrmethoden

1. Was ist der Kontext bzw. Hintergrund des Projekts?

Eine gute interprofessionelle Zusammenarbeit gilt als zentraler Bestandteil einer personenzentrierten Gesundheitsversorgung mit einer verbesserten Koordination, effizienteren Therapieabläufen und einer höheren Versorgungsqualität für Patienten*innen [1]. Bereits seit 2010 fordert die WHO derartige kollaborative Versorgungsstrukturen [2]. In der Praxis bestehen jedoch weiterhin bedeutende Herausforderungen wie unklare Rollenverteilungen zwischen den Professionen und Defizite im kontinuierlichen Informationsaustausch. Entscheidende Faktoren für eine nachhaltige Verankerung interprofessioneller Zusammenarbeit sind u. a. die Förderung einer offenen Kommunikation, geteilte Entscheidungsfindung und gegenseitiger Respekt [3].

Der Interprofessionelle Tag wurde im Kontext dieser stetig zunehmenden Bedeutung guter interprofessioneller Zusammenarbeit für eine optimale Patient*innenversorgung im Gesundheitswesen [4], [5] sowie der Einführung mehrerer gesundheitswissenschaftlicher Studiengänge an der Universität zu Lübeck (UzL) entwickelt.

Während das Fach Humanmedizin seit 1964 ein etablierter Studiengang an der UzL ist, kommen seit 2014 stetig weitere gesundheitsbezogene Studiengänge hinzu. 2014 startete der Bachelorstudiengang Pflege, 2016 der Bachelorstudiengang Physiotherapie, 2017 der Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft und 2018 der Bachelorstudiengang Ergotherapie/Logopädie. 2019 und 2022 folgten der Master Gesundheits- und Versorgungswissenschaften und der Bachelorstudiengang Angewandte Pflegewissenschaften. Alle Studiengänge gehören zur Sektion Medizin.

Forschungsergebnisse zu den Einstellungen von Studierenden zu interprofessioneller Zusammenarbeit legen eine frühzeitige Einbindung interprofessioneller Ausbildung in die Curricula nahe [6], [7]. Zudem können interprofessionelle Impulse, die sich an mehrere Studiengänge richten, die Wahrnehmung der Zusammenarbeit und die interprofessionelle Identität von Studierenden verbessern und sie auf die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen vorbereiten [8].

Der Interprofessionelle Tag ist ein integratives Projekt, welches sich an Studierende im 2. Fachsemester der Sektion Medizin richtet. Außerdem ist er für alle Studiengänge der Sektion Medizin fest im Stundenplan integriert.

2. Warum wurde das Projekt begonnen?

Durch die Etablierung einer Vielzahl gesundheitswissenschaftlicher Studiengänge an der Sektion Medizin bieten sich neue Herausforderungen aber auch Chancen die Berufsgruppen bereits in der Ausbildung zusammen zu bringen. Zu den Chancen gehört insbesondere die Möglichkeit, bereits in der Ausbildung Verständnis für die Aufgaben, Funktionen und Verantwortungsbereiche anderer Gesundheitsprofessionen zu entwickeln. Die Studierenden können so Stereotype abbauen, die interprofessionelle Kommunikation einüben und gemeinsame Werte für die Zusammenarbeit etablieren. Dies schafft eine wertvolle Grundlage für die spätere berufliche Praxis. Darüber hinaus lassen sich durch die institutionelle Nähe der Studiengänge auf einem Campus gemeinsame Lehrformate entwickeln, die die Attraktivität des Standorts Lübeck als Ausbildungsort für Gesundheitsberufe stärken. Gleichzeitig entstehen durch die Heterogenität der Studiengänge auch Herausforderungen. Unterschiedliche Stundenpläne und fachliche Voraussetzungen machen eine koordinierte Planung interprofessioneller Lehrveranstaltungen komplex. Auch das Finden geeigneter Räume und die Sicherstellung einer gleichwertigen Beteiligung aller Professionen stellen besondere organisatorische Anforderungen dar. Zudem besteht die Herausforderung, eine ausgewogene Repräsentanz und gegenseitige Wertschätzung aller Berufsgruppen zu fördern, auch wenn die tatsächliche Studierendenzahl zwischen den Studiengängen ungleich gewichtet ist. Ein erfolgreiches Beispiel für interprofessionelles Lernen auf Augenhöhe bietet der Lübecker Präparierkurs [9]. Weitere multi- und interprofessionelle Lehrveranstaltungen (z. B. Vorlesungen Orthopädie, Chirurgie, Innere Medizin und Gynäkologie; Modul „Interprofessionelle Kommunikation und Versorgung“) ziehen sich longitudinal durch das gesamte Studium an der Sektion Medizin.

Der Interprofessionelle Tag soll alle Professionen der Sektion Medizin (Humanmedizin, Pflege, Physiotherapie, Hebammenwissenschaft, Ergotherapie/Logopädie, Gesundheits- und Versorgungswissenschaften und Angewandte Pflegewissenschaft) unter dem deutschlandweit einmaligen Angebot der „Gesundheitswissenschaften unter einem Dach“ zusammenbringen und ein gemeinsames Verständnis nach außen vermitteln. Er leistet zudem einen Beitrag zur Entwicklung und Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls innerhalb der Sektion, welcher über die rein fachlichen Perspektiven hinausgeht. Für die Studierenden soll dieser Tag einen zentralen Beitrag dazu leisten, sich in die Sektionsgemeinschaft integriert zu fühlen, den interprofessionellen Austausch zu fördern und die persönliche Relevanz für die interprofessionellen Zusammenarbeit zu erkennen. Gleichzeitig soll er dazu beitragen, soziale Barrieren abzubauen, die Teamfähigkeit zu stärken und eine gemeinsame berufliche Identität zu formen. Besonders wichtig ist das kooperative Miteinander und voneinander Lernen. Der Interprofessionelle Tag dient dabei als erste Schnittstelle für diesen integrativen Lernprozess.

Ursprünglich als Campus-Rallye mit kurzen Workshops und spielerischen Challenges organisiert, diente der Interprofessionelle Tag auch dazu, Anlaufstellen wie den Hochschulsport und die Sozialberatung des Studentenwerks bei den Zweitsemestern bekannt zu machen. Zur Einführung der Veranstaltung 2018 half der Interprofessionelle Tag, die neuen Studiengänge der Sektion Medizin intern zu präsentieren, und stärkte Lübecks Position als Standort für gesundheitswissenschaftliche Studiengänge. Basierend auf den bisherigen Evaluationen wünschten sich die Studierenden vertiefte Inhalte aus dem Gesundheitsbereich sowie Infos zu den Aufgaben und Kompetenzen der Berufsgruppen, was zu einer Anpassung der Lernziele (LZ) führte.

Teilnehmende der Veranstaltung:

  1. lernen die Studierenden der anderen Professionen kennen,
  2. lernen die Professionen der Sektion Medizin und Schnittstellen zur eigenen Profession kennen,
  3. benennen und reflektieren ihre eigenen Werte und Vorstellungen in Bezug auf interprofessionelle Zusammenarbeit,
  4. entwickeln mit anderen Studierenden einen gemeinsamen Leitsatz zu interprofessioneller Zusammenarbeit und
  5. erhalten in einem Praxisworkshop einen Einblick in eine andere Profession.

3. Wie wird das Projekt durchgeführt?

Der Interprofessionelle Tag besteht in seinem neuen Konzept aus einer Auftaktveranstaltung, den Workshopformaten „100 Minuten Teamkultur“ (TK-Workshop) und „100 Minuten Gesundheitswissen Insights“ (GWI-Workshop) sowie einer Abschlussveranstaltung. Der Ablauf des Interprofessionellen Tages 2024 kann Tabelle 1 [Tab. 1] entnommen werden.

Tabelle 1: Ablauf der Veranstaltung

Die Auftaktveranstaltung beinhaltete neben der Begrüßung und Einführung in die Veranstaltung einen Beitrag zu den Kompetenzen und Aufgabengebieten der beteiligten Professionen. Dazu wurden Teile zum Thema „Was machen eigentlich Ärzt*innen (Physiotherapeut*innen / Hebammen usw.)?“ bearbeitet. Die Studierenden wurden angeleitet auf einer digitalen Pinnwand (Padlet) zu sammeln, was aus ihrer Sicht zu den Aufgaben und Kompetenzen der jeweiligen Profession gehört. Diese Sammlung wurde anschließend von ein bis zwei Fachvertreter*innen auf der Bühne kommentiert und eingeordnet, z. B. Welche Aufgabenbereiche wurden noch nicht genannt? Mit welchen Klischees sieht sich die Berufsgruppe ggf. wiederholt konfrontiert?

Dabei lernten die Studierenden die verschiedenen Professionen und deren Schnittstellen zur eigenen angestrebten Profession kennen (LZ 1, LZ 2).

Nach diesem Teil folgten letzte Infos zum Start in die Gruppenphase.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatten die Studierenden die Möglichkeit einen GWI-Workshop entsprechend ihrer persönlichen Präferenz zu wählen. Zur Auswahl standen sieben Themen aus den Professionen Humanmedizin, Physiotherapie, Hebammenwissenschaft, Ergotherapie und Logopädie (z. B. Reden reduziert Risiko, Gewalt in der Geburtshilfe, Interprofessionelle Zusammenarbeit bei Patient*innen mit Schluckstörung). Bei der Workshopanmeldung wurde berücksichtigt, dass möglichst alle Studiengänge in den Gruppen vertreten sind.

In der Gruppenphase fand für alle Teilnehmer*innen ein GWI-Workshop und ein TK-Workshop statt. Die Gruppenzusammenstellung erfolgte auf Grundlage der Anmeldung für den GWI-Workshop. Die eine Hälfte der Gruppen startete mit den GWI-Workshops, die andere Hälfte der Gruppen mit den TK-Workshops. Im Zeitraum von 10:00-12:10 Uhr wurde zusätzlich zu Beginn des Workshops eine halbe Stunde Kennenlernen und Warm-up für die Gruppe eingeplant.

Die sieben GWI-Workshops eint das Ziel, die Interprofessionalität im Gesundheitswesen zu stärken, indem sie den Teilnehmenden praxisnahe Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gesundheitsberufen bieten. Die Teilnehmenden lernen, wie wichtig es ist, die Perspektiven und Fachkompetenzen anderer Disziplinen zu verstehen und zu integrieren, um eine ganzheitliche Patient*innenversorgung sicherzustellen. Dabei stehen Kommunikation, gemeinsame Entscheidungsfindung und das Verständnis für die Rolle und Herausforderungen anderer Berufsgruppen im Fokus (LZ 5).

Die TK-Workshops wurden von Dozierenden aus den beteiligten Studiengängen moderiert. Ziel der Teamkulturworkshops ist es, dass die Teilnehmenden sich kennenlernen, ihre bisherigen Erfahrungen in der Teamarbeit teilen und sich mit gemeinsamen Werten auseinandersetzen, um am Ende einen Leitsatz zur Teamkultur zu entwickeln (LZ 3, LZ 4). Im Teamkultur-Workshop wurden als Einstieg zunächst Werte für die Zusammenarbeit per Kartenabfrage von den Teilnehmenden gesammelt, in den Gruppen reflektiert und besprochen. Anschließend wurden im Rahmen eines World-Cafés [10] folgende Fragen in Kleingruppen mit je 6-7 Teilnehmer*innen diskutiert.

  • Welche Fähigkeiten und Kompetenzen sind Ihrer Meinung nach wichtig, um erfolgreich in interprofessionellen Teams zu arbeiten?
  • Denken Sie an bisherige Gruppenarbeiten / Teamarbeiten zurück (z. B. Schulzeit, Praktika). Wann hat die Zusammenarbeit überhaupt nicht funktioniert?
  • Woran erkennt man eine gute (interprofessionelle) Zusammenarbeit? Was ist das Ergebnis?

Aufbauend auf den Erkenntnissen aus dem World-Café war es im letzten Teil des TK-Workshops die Aufgabe der Teilnehmer*innen in der Gruppe einen gemeinsamen Leitsatz zum Thema „Was tue ich, damit wir gut zusammenarbeiten können?“ zu entwickeln. Die Ergebnisformate wurden dabei offengelassen.

In der Abschlussveranstaltung wurden die entwickelten Leitsätze aus den TK-Workshops im Plenum vorgestellt. Die beeindruckenden Ergebnisse reichten von ausformulierten Leitsätzen, über Gedichte und Bilder zu Videos. Eine Auswahl der Ergebnisse findet sich in Abbildung 1 [Abb. 1]. Im Anschluss erfolgte eine studentische Abstimmung. Die drei Gruppen mit den meisten Stimmen wurden prämiert und der Tag endete mit einer Verabschiedung durch das Referat Studium und Lehre.

Abbildung 1: Ausgewählte Ergebnisse aus den Workshops „100 Minuten Teamkultur“
a) Viele Hände, gutes Ende!,
b) Ein Apfel macht noch keinen Obstkorb,
c) Gedicht der Professionen (Jede Profession ist in einem Absatz vertreten),
d) Leitsatz „Wir arbeiten gemeinsam für ein Ziel“

4. Wie wird das Projekt evaluiert?

Der Interprofessionelle Tag wurde seit 2018 von insgesamt 1233 Studierenden besucht und wird seitdem durch eine studentische Evaluation per Online-Befragung mittels LimeSurvey begleitet. Hierbei wurde ein eigens erstellter Fragebogen eingesetzt. Dieser Fragebogen bestand 2024 aus 13 Items sowie soziodemografischen Angaben. Zudem gab es die Möglichkeit, schriftliche Rückmeldungen zu geben. Die Items sind auf sechsstufigen Likertskalen zu beantworten. Die Items 1. bis 7. waren von „absolut ja (1)“ bis „absolut nein (6)“ zu beantworten. Die Items 8. und 9. sowie Auftaktveranstaltung, Abschlussveranstaltung, GWI-Workshop und TK-Workshop konnten mit Schulnoten von „sehr gut (1)“ bis „mangelhaft (6)“ bewertet werden“.

Exemplarisch werden an dieser Stelle die Evaluationsergebnisse von 2024 dargestellt.

Die Veranstaltung fand am 17. April 2024 statt. Es nahmen insgesamt 260 Studierende (167 Humanmedizin, 19 Pflege und Angewandte Pflegewissenschaft, 31 Physiotherapie, 24 Hebammenwissenschaft, 9 Ergotherapie/Logopädie, 10 Gesundheits- und Versorgungswissenschaften) in 14 Gruppen mit jeweils 18-20 Teilnehmer*innen teil. Von den 260 Teilnehmenden haben 160 Personen (61,5%) die Veranstaltung evaluiert.

Die Zahlen in Klammern stellen die Mittelwerte (MW) und Standardabweichungen (SD) der Ergebnisse von 2024 dar:

  1. Der Ablauf der Lehrveranstaltung war klar strukturiert (MW=1,6, SD=0,72).
  2. Die Veranstaltung war insgesamt gut organisiert (MW=1,6, SD=0,75).
  3. Ich bin mit Studierenden anderer Fächer in Kontakt gekommen (MW=1,9, SD=1,09).
  4. Ich habe heute Neues über die Zusammenarbeit in interprofessionellen Teams gelernt (MW=2,7, SD=1,37).
  5. Es wurde deutlich, wofür der Tag im weiteren Studium/bei meiner späteren Arbeit wichtig sein könnten (MW=2,0, SD=1,19).
  6. Die Veranstaltung fördert mein Interesse an weiterem interprofessionellem Austausch (MW=2,0, SD=0,96).
  7. Die Veranstaltung sollte im nächsten Jahr wieder stattfinden (MW=1,7, SD=0,95).
  8. Die Möglichkeit Zeit im interprofessionellen Team zu verbringen, bewerte ich wie folgt (MW=1,8, SD=0,86).
  9. Alle Aspekte zusammenfassend, gebe ich dem Interprofessionellen Tag folgende Gesamtnote (MW=2,2, SD=0,79).

Ergänzend zur Note für den gesamten Interprofessionellen Tag konnten die einzelnen Veranstaltungsteile (Auftaktveranstaltung, Abschlussveranstaltung, GWI-Workshop, TK-Workshop) bewertet werden. Am besten bewertet werden die selbstgewählten GWI-Workshops (MW=1,8, SD=1,02). Die TK-Workshops ergeben im Mittel eine Schulnote von 2,7 (SD=1,18). Die Auftaktveranstaltung wird im Mittel mit einer 3,0 (SD=1,28) und die Abschlussveranstaltung mit einer 2,4 (SD=1,06) bewertet.

Die qualitativen Rückmeldungen geben Aufschluss darüber, welche Aspekte der Veranstaltung gelungen waren (z. B. gemischte Gruppen, Workshops, Abschlussveranstaltung) und welche Aspekte aus studentischer Perspektive in Zukunft geändert werden sollten (z. B. Länge der Auftaktveranstaltung, Reihenfolge der Professionen, Wochentag der Veranstaltung).

Neben der studentischen Evaluation werden ebenfalls die Dozierenden der Workshops und die Beteiligten der Auftaktveranstaltung um ihr Feedback gebeten. Positive Aspekte waren u. a. die Stimmung in den Gruppen, Organisation und Kommunikation des Tages, Idee der Auftaktveranstaltung. Verbesserungsbedarf gibt es hinsichtlich der (teils zu kleinen) Räumlichkeiten und der Gestaltung des Teamkultur-Workshops.

5. Abschließende Gesamteinschätzung und Ausblick

Die Veranstaltung des Interprofessionelle Tages an der UzL bietet eine wertvolle Gelegenheit für Studierende unterschiedlicher Gesundheitsfachberufe, Kontakte außerhalb des eigenen Studiengangs zu knüpfen, ihre interprofessionellen Kompetenzen zu erweitern und die Bedeutung der Zusammenarbeit in der Praxis zu erfahren. Die Veranstaltung kann nicht nur das Verständnis für die jeweiligen Kompetenzen der Professionen fördern, sondern auch die Fähigkeit zur Teamarbeit stärken, die für eine qualitativ hochwertige Patient*innenversorgung unerlässlich ist.

Die Veränderungen im Konzept der Veranstaltung werden für die Planungen 2025 übernommen. Es wird ebenfalls erwogen, die Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren des Campus (z. B. Auszubildenen zur Pflegefachperson, Studierende der Psychologie) auszubauen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass solche interprofessionellen Impulse entscheidend zur Entwicklung eines Gefühls der Zugehörigkeit beitragen können und zukünftig weiter ausgebaut werden sollten, um das Engagement für interprofessionelle Zusammenarbeit und die Synergien zwischen den Professionen nachhaltig zu fördern.

Danksagung

Wir bedanken uns ausdrücklich bei allen Beteiligten, die den Interprofessionellen Tag mit ihrem Engagement und ihrer Expertise unterstützt haben. Ohne ihren Einsatz wäre die Umsetzung dieses Projekts nicht möglich gewesen.

ORCIDs der Autor*innen

Interessenkonflikt

Die Autor*innen erklären, dass sie keinen Interessenkonflikt im Zusammenhang mit diesem Artikel haben.


Literatur

[1] Reeves S, Fletcher S, Barr H, Birch I, Boet S, Davies N, McFadyen A, Rivera J, Kitto S. A BEME systematic review of the effects of interprofessional education: BEME Guide No. 39. Med Teach. 2016;38(7):656-668. DOI: 10.3109/0142159X.2016.1173663
[2] World Health Organization (WHO). Framework for action on interprofessional education and collaborative practice. Geneva: WHO; 2010. Zugänglich unter/available from: https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/70185/WHO_HRH_HPN_10.3_eng.pdf?sequence=1
[3] Weller J, Boyd M, Cumin D. Teams, tribes and patient safety: overcoming barriers to effective teamwork in healthcare. Postgrad Med J. 2014;90(1061):149-154. DOI: 10.1136/postgradmedj-2012-131168
[4] Ewers M. Interprofessionalität als Schlüssel zum Erfolg. Public Health Forum. 2012;20(77):10.e1-10.e3. DOI: 10.1016/j.phf.2012.09.009
[5] Walkenhorst U, Mahler C, Aistleithner R, Hahn EG, Kaap-Fröhlich, S, Karstens S, Reiber K, Stock-Schröer B, Sottas B. Position statement GMA Comittee - "Interprofessional Education for the Health Care Professions". GMS Z Med Ausbild. 2015;32(2):Doc22. DOI: 10.3205/zma000964
[6] Berger-Estilita J, Chiang H, Stricker D, Fuch A, Greif R, McAleer S. Attitudes of medical students towards interprofessional education: A mixed-methods study. PLoS One. 2020;15(10):e0240835. DOI: 10.1371/journal.pone.0240835
[7] Hammick M, Freeth D, Koppel I, Reeves S, Barr H. A Best Evidence Systematic Review of Interprofessional Education:BEME Guide no. 9. Med Teach. 2007;29(8):735-751. DOI: 10.1080/01421590701682576
[8] He Q, Dizon JI, Ganotice FA, Zheng B, Yeung PP, Shen X, Ho LY, Wong AK, Cheng FW, Chan KM, Chan L, Chan SS, Chow AY, Chu JK, Chua DM, Dung EC, Lee WN, Leung FC, Wang Q, Tsia KK, Vackova D, Jen J, Tipoe GL. Unveiling the impact of interprofessional education on shaping students’ interprofessional identity and collaboration perception: a mixed-method study. BMC Med Educ. 2024;24(1):855. DOI: 10.1186/s12909-024-05833-0
[9] Barth J, Bienert C, Westermann J. Der Lübecker Präparierkurs – Interprofessionelle Lehre leben. Dtsch Hebammen Z. 2022;74(7):88-91.
[10] Brown J, Isaacs D. Das World Café. Kreative Zukunftsgestaltung in Organisationen und Gesellschaft. Heidelberg: Carl-Auer Verlag; 2007.