[David Hörburger: EKG-Training mit QR+ – 70 wichtige EKGs mit klinischem Hintergrund]
Sigrid Harendza 11 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, III. Medizinische Klinik, Hamburg, Deutschland
Bibliographische Angaben
David Hörburger
EKG-Training mit QR+ – 70 wichtige EKGs mit klinischem Hintergrund
Verlag: Hogrefe-Verlag
Erscheinungsjahr: 2026, Seiten: 160, Preis: € 40,00
ISBN: 978-3-456-86303-0
Rezension
Dieses Buch macht schon beim Auspacken Spaß. Durch das A4 Querformat stellt sich irgendwie sofort das Gefühl ein, echte EKGs in Händen zu halten. Also lege ich gleich mal los und schlage irgendwo in der Mitte eine Seite auf. Mit etwas Herzklopfen schaue ich das EKG auf der linken Seite an. Hm, sieht aus wie S1/Q3 und Rechtsschenkelblock, also Verdacht auf Lungenarterienembolie. Dann lese ich den dazugehörigen Fall auf der rechten Seite und gucke mir die angegebenen Vitalparameter an. Die passen gut zu meiner Verdachtsdiagnose. Jetzt bin ich neugierig und lasse aus, dass ich am rechten Seitenrand meinen ersten Eindruck, meine Interpretation und meine Unsicherheiten notieren soll, sondern scanne direkt den QR-Code daneben. Über dem steht nämlich das Wort „Lösung“ und ich kann so den im QR+ des Titels verborgenen Teil des Buches ausprobieren. Erleichterung macht sich breit: meine EKG-Interpretation und Verdachtsdiagnose waren korrekt. Aber oh, hier gibt es noch so viel mehr zu entdecken: eine komplette EKG-Interpretation, einen ausführlichen Fallkommentar und ein Video-Streaming mit weiteren klinischen Informationen zu Diagnostik und Therapie. Jetzt ist wohl der Zeitpunkt gekommen, das didaktische Konzept dieses Buches zu ergründen, das sich als Atlas verstanden wissen will, um Lernende bei der Anwendung der theoretischen Prinzipien der EKG-Interpretationen zu unterstützen.
Dem Vorwort entnehme ich, dass der Autor den Atlas als Projekt im Rahmen seines berufsbegleitenden Master of Medical Education an der Universität Bern entwickelt hat. Das lässt ein wirklich praxisnahes Produkt erwarten und so ist es dann auch. Auf der ersten Doppelseite wird prägnant erläutert, wie man mit dem Atlas arbeiten soll. Alle EKGs sind jeweils eingebettet in einen klinischen Fall. Die Bewertung des EKGs soll im Zusammenhang mit den geschilderten klinischen Beschwerden erfolgen. Der Arbeitsablauf besteht aus fünf Schritten:
- Fallvignette lesen,
- EKG betrachten und ersten Eindruck notieren,
- EKG interpretieren (was man genau machen soll, z.B. Lagetyp bestimmen, PQ-Zeit messen usw., ist erklärt),
- Unsicherheiten dokumentieren und
- die korrekte Interpretation, Diagnose und den Fallkommentar im elektronischen Zusatzmaterial lesen.
Für den Zugriff auf dieses Material findet sich mit dem Kauf des Atlas ein Code auf der Anleitungsseite. Dann kommt der eigentliche Clou. Auf der Download-Seite, also dem QR+, findet sich zusätzlich ein Video mit ausführlichen Fallinterpretationen, weiteren Tipps, Informationen über mögliche Fallstricke und Therapiehinweisen. Schließlich gibt es weitere Themenhinweise, die man in einem EKG-Lehrmittel der eigenen Wahl weiter vertiefen kann. Jetzt könnte ich also nochmal systematisch im Atlas starten. Zu meiner Freude stelle ich beim Umblättern fest, dass es noch nicht mit dem ersten Fall losgeht, sondern dass den eigentlichen Übungen auf nicht einmal zehn Seiten ein knackiger Theorieteil von der Physiologie des EKGs über das EKG-Schreiben bis zu den Normwerten der einzelnen EKG-Abschnitte vorgeschaltet ist. Dieser lässt sich als kurze Auffrischung schnell durchlesen und soll, so der Hinweis im Vorwort, nicht das Erlernen der theoretischen Grundlagen des EKGs ersetzen.
Statt nun systematisch mit dem Atlas zu arbeiten, unterziehe ich den QR+-Teil nochmal einer etwas genaueren Betrachtung. Dieser beginnt, sehr sympathisch, mit dem Hinweis, man möge Rückmeldungen oder Anregungen mitteilen und es ist ein Mail-Link hierfür angegeben. Dann findet sich eine Übersicht über die 70 Fälle, die sich einzeln anklicken lassen, um zu den Beschreibungen und Interpretationen zu gelangen. Für das Videostreaming ist die jeweilige Startzeit für das entsprechende EKG angegeben, die man von Hand im Video einstellen muss – zumindest mit meiner technischen Ausstattung. Das wäre noch ein i-Tüpfelchen, wenn man durch Klicken gleich an die richtige Stelle im Video springen könnte. Didaktisch sehr gelungen ist, dass die EKGs im Video nach einer ebenfalls angezeigten Liste von Kategorien geordnet sind (normales EKG, Arrhythmien, extrakardiale Ursachen usw.), sodass es auch möglich ist, die EKGs in dieser Reihenfolge zu bearbeiten, wenn man nach dieser Systematik lernen möchte. Die Erläuterungen in Form einer besprochenen Videopräsentation sind sehr informativ und fokussiert, im Sprachduktus für Anfängerinnen und Anfänger vielleicht ein wenig flott, aber man kann ja die Geschwindigkeit halbieren, wenn man möchte, oder das Video zwischendurch anhalten. Damit ist das Arbeiten mit diesem Atlas an sich und mit dem QR+-Teil im Besonderen sehr gut an die eigenen Lernvorlieben, -bedarfe und -geschwindigkeiten zu adaptieren. Aufgrund dieser individuellen Arbeitsmöglichkeiten mit dem Atlas und der quizhaften oder systematischen Herangehensweise scheint eine Nutzung dieses Lernmittels sowohl im Medizinstudium als auch in der ärztlichen Weiterbildung geeignet.
ORCID der Autorin
Sigrid Harendza: [0000-0002-7920-8431]
Interessenkonflikt
Die Autorin erklärt, dass sie keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel hat.



